Seit gut sechs Wochen sind die Kinder nun zu Hause. Unter der Woche sind sie bei mir, am Wochenende oder besser gesagt meist Freitag Nachmittag bis Samstag Nachmittag sind sie beim Papa.

Unsere Zeit ist für gewöhnlich recht entspannt, ohne jeglichen Termindruck oder To-Dos. Wir schlafen aus bzw. kuscheln morgens noch eine ganze Weile in meinem Bett, spielen, puzzeln, lesen Bücher, malen, stecken und sehen fern. Daneben muss natürlich irgendwie der Haushalt gemacht werden.

Die ersten Wochen waren total erholsam. Plötzlich war der ganze Termindruck, das ganze ständige hin und her Gerenne mit einem Schlag weg. Wir hatten viel Spaß zusammen und ich war sehr froh, endlich mal viel Zeit für die Kinder zu haben. Endlich mal Zeit, mit den Kindern in Ruhe ein Spiel zu spielen.
Freitag Nachmittag, sobald die Kinder beim Papa waren, putzte ich die Wohnung und ging einkaufen. Samstag stand ich sehr früh auf, ging arbeiten – anschließend hatte ich noch 2-3 Stunden für mich oder liegen gebliebene Hausarbeit. Samstag Nachmittag kamen die Jungs wieder nach Hause und das Ganze ging von vorne los.

In den ersten Wochen fanden auch die Kinder die Situation super. Sie haben es sehr genossen, endlich mal viel Zeit gemeinsam zu verbringen und viel zu Hause spielen zu können. Inzwischen darf sogar das Kleinkind ab und an mit ins Zimmer vom Großkind – das hatte es bisher nicht gegeben. Unsere Wohnung wurde zu unserem Kokon, aus dem die Kinder irgendwie auch nicht mehr raus wollten. Es wurde immer schwieriger, die Jungs zum Rausgehen zu bewegen – Spazierengehen wurde irgendwann langweilig.

Doch in den letzten circa zwei Wochen wurde es anstrengend. Sehr anstrengend. Man merkte, dass die Kinder zunehmen aufgedrehter wurden und mehr stritten.
Gerade beim Großkind habe ich das Gefühl, dass er zunehmend trauriger wirkte. Aber dank Asperger ist es natürlich sehr schwierig, aus ihm heraus zu bekommen, was los ist. Langsam vermisst er die Kita immer mehr. Er möchte die Videos, die die Kita täglich schickt, nicht mehr anschauen – zu schmerzlich ist wohl die Sehnsucht. Er findet es schade, dass seine Mama und Papa keine super wichtige Arbeit haben, sodass er in die Kita gehen kann.
Auch beim Mittelkind habe ich das Gefühl, dass er gereizter war. Ziemlich schnell verfiel er in einen Wut- oder Schreianfall. Irgendwie kann er im Moment nur sehr schlecht damit umgehen, wenn ihm Etwas nicht passt.
Und auch das Kleinkind war irgendwie aufgedrehter und unzufriedener.

Leider konnte ich auf all das in den letzten 1-2 Wochen nicht so eingehen wie die Kinder es verdient hätten. Ich war ziemlich krank (bin es zum Teil noch immer) und hatte einfach keine Kraft mehr, auf die Kinder einzugehen. Ich war gereizt und hatte keinen Nerv mehr für die ständige Lautstärke und die ständigen Streitereien. Viel zu schnell wurde ich ungeduldig und unfair. Viel zu schnell wurde ich zu laut. Es tut mir unglaublich leid und ich habe ein ziemlich schlechtes Gewissen.
Unterstützung oder Jemanden, der mir die Kinder in einer solchen Situation mal abnimmt, habe ich ja nunmal nicht.

Inzwischen bin ich auch krank geschrieben – wodurch ich jetzt nicht nur ein kinderfreies, sondern ein komplett freies Wochenende habe. 48 Stunden nur für mich. Okay, und für den Haushalt. Aber primär für mich. Um meine Akkus wieder aufzuladen und wieder zu Kräften zu kommen.
Und um dann ab Sonntag wieder eine schöne Zeit mit den Jungs zu haben.

Die Kraft werde ich auch brauchen, denn vor uns liegt die nächste Umstellung:
Ab kommender Woche darf das Großkind als Integrationskind wieder in die Kita – die anderen beiden jedoch nicht. Für das Großkind ist das super. Die individuelle Förderung und 1:1-Betreuung, die er braucht und in der Kita bekommt, kann ich zu Hause mit zwei kleinen Geschwistern einfach nicht leisten. Für die beiden Anderen wird es aber vermutlich erstmal sehr hart, denn der große Bruder darf wieder in die Kita und sie nicht – für kleine Kinder wohl recht schwer zu verstehen. Und auch unserem Alltag nimmt es auf organisatorischer Seite erstmal Einiges an Entspannung. Ich bin gespannt.

Für die beiden Jüngeren wird die Kita vermutlich noch eine ganze Weile geschlossen bleiben. Nach aktuellem Stand werden die Kitas erstmal noch bis 22.05. im Notbetrieb laufen – ich gehe aber davon aus, dass es sich noch länger hinziehen wird.

 

 

Anfang Mai 2020