Die ersten Monate als Alleinerziehende waren absolut entspannt – in jeder Hinsicht.
Es dominierte das Gefühl der Freiheit und der Selbstbestimmung.
Um in der Phase des Umbruchs mehr für die Kinder und auch mich selbst da zu sein, habe ich im Oktober bis Dezember auch Einiges an Überstunden und Resturlaub abgebaut. Dadurch hatte ich oft samstags frei und konnte mal ausschlafen, während die Jungs beim Papa waren.

Mit dem Jahreswechsel wurde irgendwie alles anders.
Bisher ist 2020 nicht so wirklich unser Jahr. Ich glaube, bisher war ich mehr krank und kindkrank als dass ich arbeiten war.
Die Wochenenden liefen ab Januar so wie ursprünglich geplant. Die Jungs waren Freitag zu Samstag beim Papa, ich war Samstag ab 6.30 Uhr im Büro. Ab Samstag Nachmittag hatte ich dann die Jungs bei mir. Einmal im Monat waren die Jungs das ganze Wochenende bei mir – da musste ich dann den Samstag frei nehmen. Einmal im Monat waren die Jungs das ganze Wochenende beim Papa – da konnte ich dann am entsprechenden Sonntag ausschlafen. Einmal im Monat ausschlafen. Zugegeben: das ist schon einmal mehr als früher! Aber seit ich jeden Abend die Jungs allein ins Bett bringe, bin ich froh über jede Nacht, in der ich auf mehr als sechs Stunden Schlaf komme. Eigentlich bräuchte ich um die acht Stunden. Da hat sich dann über Wochen ein riesiges Schlafdefizit aufgebaut, das mich ziemlich mürbe gemacht hat. Ich wurde immer dünnhäutiger, schneller genervt und schneller laut. So, dass ich mich irgendwann selbst nicht mehr leiden konnte.
Ende Februar, am Mama-Wochenende, war dann das Fass voll – ich war so dermaßen fertig und gereizt, dass ich sehr stark gemerkt habe, dass es so nicht weitergehen könne. Am Montag darauf war ich bei meiner Ärztin und lies mich krank schreiben. Eigentlich, um mal runter zu fahren und zur Ruhe zu kommen. Nachdem ich dann aber im Wechsel kranke Kinder zu Hause hatte und zwischenzeitlich selbst krank war, wurden aus zwei Wochen vier Wochen – in Woche vier machte dann die Kita, wie alle anderen auch, wegen des Corona-Virus zu. Nichts mit Ruhe und runter kommen. Erstmal.
Allerdings hatte ich es zumindest in Woche eins geschafft, eine Liste an Dingen zu erstellen, die ich nach meiner Krankschreiben angehen und ändern möchte.

Neben Krankheiten und Schlafmangel fühlte ich mich auch zunehmend einsam und allein.
Nach wie vor fehlt mir einfach die Schulter zum Anlehnen. Jemand, der sich dafür interessiert, wie es MIR geht – und der selbst auch ein Interesse daran hat, dass es mir gut geht.
Gute Freunde, die spontan zum Quatschen auf nen Kaffee oder n Bier vorbei kommen – nicht vorhanden. Ein Mann an meiner Seite – nicht vorhanden.
Zugegeben: das Gefühl des Alleinseins war Anfang des Jahres auch deswegen verstärkt vorhanden, nachdem ich männertechnisch mal wieder enttäuscht wurde – und ich mich mal wieder fragen musste, ob es überhaupt jemals einen Mann geben wird, der sich auf eine alleinerziehende Dreifachmutter einlässt.


In den letzten Wochen hat uns noch etwas ganz Anderes eingeholt – das Corona-Virus!
Seit Mitte der Woche ist die Kita nun zu und die Kinder sind zu Hause. Im Vorfeld hatte ich großen Respekt davor, sind meine Kinder doch sehr aufgedreht und fordernd.
Aber was soll ich sagen. Seit Mittwoch, seit die Kinder alle zu Hause sind, bin ich so entspannt wie schon lange nicht mehr! Und auch die Jungs sind wesentlich entspannter und ruhiger als gedacht – vermutlich eben weil ich entspannt bin.
Keiner weis, wie sich das in den nächsten Wochen noch entwickeln wird. Keiner weis, wie viele Wochen noch folgen werden. Aber so kann es gerne weiter gehen, denn es geht uns aktuell gefühlt sehr gut. Wir genießen die Zeit zu viert - und sind uns selbst genug.

Allerdings bin ich diese Woche ja auch noch krank geschrieben. Wie das in den kommenden Wochen weiter gehen soll, weis ich nicht. Mein Arbeitgeber bietet die Möglichkeit des Home-Office, was ja schonmal sehr nett ist. Allerdings ist das mit meinen Kindern nicht machbar. Drei Kinder im Kita-Alter, von denen einer eigentlich eine 1:1-Betreuung bräuchte...
Am Liebsten würde ich Samstags weiter arbeiten – unsere Kurse sind ohnehin alle im HomeSchooling-Modus, da muss ich auch nicht 6.30 Uhr im Büro sein - und mich unter der Woche freistellen lassen. Allerdings weis ich gerade noch nicht, auf welcher Grundlage. Denn auf den größten Teil meines Gehalts verzichten möchte und kann ich nicht. Daher bin ich sehr gespannt, was der Bund kommenden Woche in Bezug auf die Lohnfortzahlung für in der Corona-Krise betreuende Eltern beschließt.

So blöd und kurios es vielleicht klingt – für meine Kinder und mich bringt der Shutdown im Moment viele Vorteile mit sich. Viel Zeit für einander, viel Kuscheln, viel Nähe. Genau das, was wir im Moment auch irgendwie gebraucht haben. Was für ein Timing.

März 2020