Im Sommer 2018 habe ich mit dem Großkind das erste Mal die Autismus-Diagnostik durchlaufen – damals bekam er eine Verdachts-Diagnose Asperger-Autismus. Mit dieser konnten wir zwar eine autismusspezifische Frühförderung beantragen, für alle anderen Fördermöglichkeiten und Unterstützungen hätten wir aber eine handfeste Diagnose benötigt.

Seit Anfang 2019 wurde das Verhalten des Großkindes zunehmend auffälliger – zu Hause und auch in der Kita. Sowohl das Kita-Team als auch ich kamen regelmäßig an unsere Grenzen. Alle hatten wir den Termin zur Wiederholung der Autsimus-Diagnostik im Juni im Auge und hofften so sehr auf eine Diagnose!
Die Wochen zogen sich. Die zwei Wochen zwischen Diagnostik und Auswertungsgespräch wurden zu vier Wochen, da die Psychologin krank war. Es machte mich irre!

Ende Juni hatte ich es mündlich, Mitte Juli dann auch endlich schriftlich: eine offizielle Diagnose! Autismus-Spektrums-Störung. Inzwischen hat ja alles denselben Namen, während es früher offziell verschiedene Formen von Autismus gab. Das Großkind liegt aber ganz klar im Asperger-Bereich.

Im Sommer konnte ich dann endlich weitere Schritte einleiten.

Zum Einen war ich bei der Krankenkasse und habe einen Pflegegrad beantragt. Hierzu wird der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) bei einem Hausbesuch das Ganze begutachten und eine Empfehlung abgeben. Das mit dem Pflegegrad verbundene Pflegegeld würde für mich die Tatsache ausgleichen, dass ich zwei Nachmittage pro Woche mit den Therapien des Großkindes verbringe statt arbeiten gehen zu können.

Zum Anderen habe ich beim Sozialamt formlos eine 1:1-Betreuung für die Kita beantragt. Gleich mit dem Hinweis, dass wir als Kita-Träger das gerne selbst übernehmen und selbst jemanden einstellen würden. Ende August kam dann endlich mal eine Reaktion und Hinweise, was bei der Leistungserbringung zu beachten ist und welche Voraussetzungen es gibt. Kurz gesagt: es ist sehr kompliziert – aber wir haben es geschafft. Wir haben eine Ausnahmegenehmigung vom Landesjugendamt und seit gestern auch endlich den offiziellen Bescheid vom Sozialamt!

Bereits ab 01.10. wird das Großkind eine 1:1-Betreuung in der Kita haben. Und zwar nicht irgendwen, sondern jemanden, den er kennt und den er mag. Jemand, der im letzten Jahr lange Zeit Praktikum in unserer Kita gemacht hat und somit auch das Team, die Einrichtung und die Abläufe kennt. Und jemand, den auch die anderen Kinder kennen – sodass nicht ganz so extrem spürbar wird, dass er eigentlich nur für das Großkind da ist. Und wie man schon merkt: es ist ein Mann. Da der Chaosmann Anfang Oktober ausziehen wird und so die männliche Vorbildfunktion im Alltag an Präsenz verlieren wird, ist das ein großer Pluspunkt.



September 2019